Das Foto zeigt Ärzte bei der Narkose während eines chirurgischen Eingriffs im OP-Haus der Chirurgischen Klinik Lindenburg in den frühen 1950er Jahren. Zu dieser Zeit gab es hier noch keinen speziell für die Anästhesie zuständigen Arzt. Diese Aufgabe wurde reihum von den chirurgischen Assistenzärzten übernommen.
Während sich in den angelsächsischen Ländern und besonders in Skandinavien die Anästhesie bereits als eigenständige Disziplin etabliert hatte, beanspruchten in Deutschland die operativ tätigen Fächer noch lange die Zuständigkeit für die Narkosen. Eine erste selbstständige anästhesiologische Abteilung wurde 1950 in Heidelberg gegründet, der erste Lehrstuhl für das Fach 1960 in Mainz eingerichtet. Der Schwerpunkt des Direktors der Chirurgischen Klinik Lindenburg Victor Hoffmann lag auf der Abdominalchirurgie, in der er – selbst noch ganz mit der Äthertropfnarkose vertraut – bei Routineeingriffen eine Intubationsnarkose für völlig überflüssig hielt. Dennoch wurde diese auch in seiner Klinik zunehmend beliebter und in der Nachkriegszeit zunächst mit einem selbstgebauten Beatmungsgerät aus einer umgerüsteten Granathülse ausgeführt.
Mit dem Pharmakologen Hellmut Weese (1897-1954) kann die Kölner Medizinische Fakultät durchaus mit einem Pionier der Anästhesie aufwarten. Seit 1935 hatte er hier eine Professur. Er führte das bald weit verbreitete Evipan als Narkosemittel ein und verfasste 1954 zusammen mit Hans Killian das Lehrbuch „Die Narkose“. Bemerkenswert ist auch, dass an Victor Hoffmanns Klinik 1957 erstmals in Deutschland ein Konzept der ärztlichen Notfallrettung mit einem Notarztwagens entwickelt wurde, das für die gesamte Bundesrepublik als „Kölner Modell“ richtungweisend werden sollte. In diesem Projekt arbeitete Hoffmanns Assistent Engelbert Friedhoff mit dem aus dem anästhesiologisch fortschrittlichen Schweden stammenden, innovativen Anästhesisten Sverre Loennecken aus der Neurochirurgischen Klinik zusammen.
Mit der Zunahme an Schwerverletzten unter den Patienten der Chirurgischen Klinik durch das Notarztprojekt wurde die Notwendigkeit von Wachstationen umso deutlicher.
Anders als die Chirurgische Klinik maß Wilhelm Tönnis als Direktor der Neurochirurgischen Klinik Lindenburg der Anästhesie eine große Bedeutung bei. Durch die unbedingte Notwendigkeit einer intensiven postoperativen Überwachung der neurochirurgischen Patienten entwickelte sich in dieser Klinik bereits ein anästhesiologisches Tätigkeitsfeld, das über die Narkose bei der Operation hinauswies. 1949 richtete Tönnis die erste Wachstation in der Lindenburg ein.
Als 1963 Georg Heberer die Leitung der Chirurgischen Klinik Lindenburg übernahm, begann hier eine neue Ära für die Anästhesie. Heberers Schwerpunkt lag auf der Herz- und Gefäßchirurgie. Differenzierte Intubationsnarkosen sowie eine minutiöse Überwachung der Patienten während und nach der Operation waren hier unerlässlich. Bereits während seiner Zeit auf dem Zweiten Chirurgischen Lehrstuhl in Köln-Merheim hatte er die Herz-Lungen-Maschine eingesetzt.
1964 kam es zur Gründung einer eigenen anästhesiologischen Abteilung, als Unterabteilung der Chirurgischen Klinik. 1967 wurde eine neue Wach- und Beatmungsstation eröffnet, der Beginn der Intensivmedizin in der Lindenburg. Erst 1971 wird an der Kölner Universität ein Lehrstuhl für das Fach eingerichtet und mit Karl Bonhoeffer besetzt, aber damit gleichzeitig auch eine selbstständigeanästhesiologische Klinik geschaffen. In den Folgejahren wurden die Anästhesiedienste der verschiedenen Fächer integriert.
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