Am 17. November 1908 wurde auf dem Lindenburggelände Kölns erstes Großkrankenhaus eröffnet. Über 1.000 Betten sollte es bieten. Bauherr und Träger war die Stadt Köln.
Die weitläufige Pavillonanlage entstand mitten im wachsenden Villenvorort Lindenthal. Als Wahrzeichen kommunaler Daseinsvorsorge markiert sie den Umbruch zur modernen Leistungsverwaltung.
Im 19. Jahrhundert war das städtische Allgemeine Krankenhaus auch in Köln noch eine Anstalt der „geschlossenen Armenpflege“. Die allmähliche Herausbildung einer an stationäre technische Ausstattung gebundenen Leistungsmedizin und die Einführung der Krankenversicherung im Rahmen der Bismarck’schen Sozialgesetzgebung ließen das Krankenhaus um die Wende zum 20. Jahrhundert zu einem attraktiven Dienstleistungsangebot für alle Bürger der damals rapide wachsenden Großstadt werden. Dezentrale Pavillonanlagen hatten sich insbesondere aus hygienischen Gründen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Krankenhausbau durchgesetzt. Bei der von Stadtbaumeister Johannes Kleefisch konzipierten Kölner Anlage auf der Lindenburg fand diese Tradition mit der raumplanerischen Idee der
Gartenstadtbebauung zusammen.
Die Vogelschau offenbart die Struktur der „Krankenstadt“. Der Haupteingang führt durch das Verwaltungsgebäude mit Patientenaufnahme und Poliklinik im Erdgeschoss auf die Symmetrieachse zwischen der chirurgischen Abteilung auf der rechten und der medizinischen Abteilung auf der linken Seite. Die Gebäudegruppen umfassen jeweils vier Bettenpavillons und ein zentral gelegenes Funktionsgebäude, das Operationshaus und das Badehaus. So symbolisieren Innere Medizin und Chirurgie die beiden Säulen der modernen Heilkunde. Die Mittelachse führt auf einen quer dazu gelegenen, bereits einige Jahre zuvor errichteten Pavillon zu, der bald als Hautklinik genutzt wurde.
Auch die Psychiatrie und die Kinderheilkunde waren jeweils mit einem respektablen eigenen Gebäude vertreten. Diese verdeutlichen die Selbständigkeit medizinischer Einzeldisziplinen, die für einige von ihnen bereits ins 19. Jahrhundert zurückreicht, aber um die Jahrhundertwende noch einmal neue Impulse erhält. In Köln kam es in dieser Zeit zur Gründung neuer Fachabteilungen im städtischen Krankenhauswesen.
Gesundheitsdezernent Peter Krautwig kommentierte das Bauprojekt auf der Lindenburg: „Schulen und Krankenhäuser sind wohl die Verwaltungszweige, welche die Finanzen unserer Städte in den letzten Jahrzehnten besonders stark in Anspruch genommen haben. […] So sehr die verantwortlichen Verwalter der städtischen Finanzen sich auch über die Deckung der Summen den Kopf zerbrechen müssen, so unangenehm die steigenden Steuerleistungen von den Bürgern empfunden werden, so wird sich doch im letzten Grunde jeder Einsichtige gerade mit diesen Summen gern abfinden, da sie zur Erfüllung hoher Kulturaufgaben verausgabt werden. Wenn wir zur Eröffnung der Neubauten an der Lindenburg über 1850 Betten in städtischen Anstalten verfügten, so ist damit gegen die 500 Krankenbetten, welche das Bürgerhospital im
Jahre 1850 bei einer Bevölkerungszahl von 95 000 aufwies, relativ kein Zuwachs entstanden. Demnächst werden wir, nachdem die neuen Krankengebäude bezogen sind, mit etwa 2384 Betten in den städtischen Anstalten zu rechnen haben. Demnach beträgt die Bettenzahl, welche wir schon seit vielen Jahren in Cöln im Vergleich zu der Einwohnerzahl zur Verfügung haben, etwa 5 : 1000, eine Zahl, die man für die Städte als die durchschnittliche Bedarfszahl schon lange bezeichnet hat.“
Schon während des Ausbaus der Lindenburg war ein weiteres Großkrankenhaus im rechtsrheinischen Poll geplant, das jedoch niemals realisiert wurde.
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