Timo Mügge
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Krankensaal Pflege


Zwischen 16 und 20 Patienten waren jeweils in einem solchen Krankensaal untergebracht. An den Kopfenden der Betten sind die Bettkarten mit dem Namen und dem Geburtsdatum und der darunter angeklemmten Fieberkurve sichtbar. In den großen Sälen wurden in der Regel nur Kranke der dritten Pflegeklasse versorgt. Darunter waren in den ersten Jahren auf der Lindenburg die auf Armenkasse versorgten Patienten noch in der Mehrheit. Doch stand ihnen eine steigende Zahl von gesetzlich Krankenversicherten gegenüber.

Die Patientinnen und Patienten hatten keinerlei Privatsphäre. Erst später wurden die Waschbecken an der Stirnwand durch einen Sichtschutz abgetrennt. Einerseits boten die Säle den Pflegerinnen und Ärzten eine gute Möglichkeit zur Überwachung der Patienten, in gesundheitlicher aber auch in disziplinarischer Hinsicht. Andererseits schufen die großen Säle auch Disziplinprobleme. So befürchteten die Zeitgenossen immer wieder einen schlechten Einfluss der Kranken untereinander, insbesondere eine sittliche Gefährdung der jüngeren Patienten. Ein Krankenhausaufenthalt in der Lindenburg dauerte im Geschäftsjahr 1910 durchschnittlich 25 Tage, bei den auf Armenschein versorgten Patienten mit 34 Tagen sogar deutlich länger.

Den Kranken der ersten Klasse stand eigens ein separates Gebäude, das Pensionärshaus, zur Verfügung. Dort ließen sich Verbindungstüren zwischen den Zimmern öffnen, so dass ein Patient eine ganze Suite bewohnen konnte. Allerdings boten auch die Bettenpavillons kleine Räume mit nur wenigen Betten für schwer kranke und sterbende Patienten. Kranke der zweiten Klasse (darunter meist Handwerksmeister, Lehrer etc.) waren meist ebenfalls in den kleineren Zimmern der Bettenhäuser untergebracht.
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