Timo Mügge
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Lindenburg 1944


Als die Universitätsklinik Lindenburg am 17. November 1933 ihr 25-jähriges Jubiläum feierte,
forderte der Kölner Gesundheitsdezernent Carl Coerper die „Erfüllung der Aufgabe der Krankenhäuser mit nationalsozialistischem Geist“.

Was folgte, war die Entlassung aller jüdischen und auch politisch missliebiger
Ärztinnen und Ärzte. Auf der Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurden zwischen 1934 und 1943 in der Chirurgischen Klinik Lindenburg und in der Universitäts-Frauenklinik insgesamt über 1.000 Menschen zwangssterilisiert. Angesichts des Bettenmangels in der Stadt, der durch die Einrichtung von Militärabteilungen in vielen Krankenhäusern entstand, wurden „nichtarische“ Patienten seit 1937 sukzessive von der Behandlung in den städtischen Krankenanstalten ausgeschlossen.

Die Teilevakuierung der Alten- und Behinderteneinrichtung Riehler Heimstätten zugunsten der Unterbringung von Akutkranken seit 1941 und die radikale Ausgrenzung von unheilbaren Patienten aus den städtischen Krankenhäusern führte für die Schwächsten in dieser Verdrängungskette in den Tod durch Euthanasie - in Tötungsanstalten wie Hadamar - oder durch Vernachlässigung.

Die Bombardierung Kölns verschlechterte die Situation der Patienten und ließ die völlig unzureichenden Luftschutzeinrichtungen in den Kölner Krankenhäusern zutage treten: Operationsbunker gab es in der ganzen Stadt nicht. Die Keller waren nur in geringem Umfang als Luftschutzräume geeignet, bettlägerige Patienten mussten oft in den Erdgeschossen bleiben.
Seit 1942 wurden Ausweichkrankenhäuser insbesondere am Rhein oberhalb von Bonn geschaffen, konnten aber bei weitem nicht alle Patienten aufnehmen. Seit 1944 spitzte sich die Situation in Köln dramatisch zu: Die Kranken wurden in hygienisch völlig unzulänglichen Kellerstationen versorgt, Verletzte mussten stundenlang auf ihre Behandlung warten.

Bei Kriegsende verfügten die städtischen Kliniken, zu denen auch die Lindenburg gehörte, nur noch über insgesamt 222 Betten. Vor dem Krieg waren es 3.300. Von den 1.700 Betten der Lindenburg waren nur noch 114 übrig.
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