Schwestern


Die Grenzen von geistlicher Tracht und hygienischer Funktionskleidung scheinen zu verschwimmen. Das Foto zeigt Schwestern der Chirurgischen Klinik Lindenburg, in den 1930er Jahren.

Im Jahre 1838 waren einige nach der Regel des heiligen Augustinus lebende Cellitinnen aus zwei Kölner Konventen einem dringenden Aufruf der Kölner Armenverwaltung gefolgt. Sie zogen als Filialkonvent in das Bürgerhospital ein und übernahmen die Pflege der hier untergebrachten armen Kranken. Durch einen Gestellungsvertrag an die Armenverwaltung gebunden, entwickelten sie sich hier zu einer modernen Krankenpflege-Kongregation.

Während in der pflegerischen Tätigkeit in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das geistliche Element noch gänzlich im Mittelpunkt stand, bildete sich allmählich das Tätigkeitsbild eines modernen Gesundheitsberufes heraus, der damit freilich auch immer mehr zum ärztlichen Hilfsberuf wurde. 1869 gründeten die Schwestern ein eigenes Mutterhaus in der Severinstraße und 1874 mit dem „Severinsklösterchen“ auch ein eigenes Krankenhaus. Die Zusammenarbeit mit der Stadt Köln blieb jedoch bestehen. Auch in den neuen städtischen Krankenhäusern, dem Augustahospital und der Lindenburg wurde ihnen die Krankenpflege übertragen. Nur in der Psychiatrischen – und Nerven-Klinik auf der Lindenburg gab es von Anfang an weltliche Pflegerinnen. An diese Bedingung war die finanzielle Zuwendung durch den Kaufmann Johann Heinrich Richartz an die städtische Irrenanstalt geknüpft. Die Neubauten auf der Lindenburg aus dem Jahr 1908 umfassten ein eigenständiges Gebäude für die Klausur der Schwestern. Hier zogen 59 Schwestern ein. Weitere 119 wohnten auf den Krankenstationen, in den Wirtschaftsgebäuden und im Operationshaus. Nicht nur in der Krankenpflege waren die Cellitinnen oder Augustinerinnen tätig. Der Wirtschaftsbetrieb lag in ihren Händen, aber Sie waren auch Pionierinnen in den neuen medizinisch-technischen Tätigkeitsfeldern, Schwester Johanna Engstenberg wurde in Kopenhagen für die Bedienung des Lichtapparats nach Finsen
geschult. Schwester Hippolyta fertigte Wachsmoulagen für den medizinischen Unterricht und Gesichtsepithesen für Lupus-Patienten.

Seit Mai 1907 schrieb das preußische Krankenpflegegesetz eine einjährige Ausbildung und eine staatliche Abschlussprüfung für Pflegekräfte vor. Bereits im Juli desselben Jahres wurden in Köln die ersten Pflegerinnen, weltliche Schwestern des katholischen Krankenfürsorgevereins, examiniert.

Ihre praktische Ausbildung hatten sie u.a. an der Akademie für praktische Medizin erhalten. Seit 1908war der Akademie eine Krankenpflegeschule angegliedert. Die Augustinerinnen erhielten ihre Ausbildung seit 1908 auch an der ordenseigenen Schule in der Severinstraße. Trotz der Versuche des damaligen Gesundheitsdezernenten Carl Coerper, den Vertrag mit den Schwestern zu kündigen und „Braune Schwestern“ zu beschäftigen, blieben die Cellitinnen auch während der NS-Zeit an den städtischen Kölner Krankenhäusern tätig. Als die Universitätsklinik Lindenburg zum 1. Mai 1953 an das Landes NRW überging, übernahm der neue Träger auch den Vertrag mit den Cellitinnen. Als die Schwestern 1965 die neue Klausur neben der Klinikkirche St. Johannes der Täufer an der Joseph-Stelzmann-Straße bezogen, war noch nicht abzusehen, dass die
Gemeinschaft aufgrund von Nachwuchsmangel nur wenige Jahre später gezwungen sah, den Gestellungsvertrag zu kündigen.
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