Vorwort
Die 16. Veranstaltung des Henning-Symposiums über die menschliche Schilddrüse in Heidelberg befasste sich mit den aktuellen Themen des zufällig entdeckten Schilddrüsenknotens und der latenten Schilddrüsenfunktionsstörung. Schilddrüsenknoten und Strumen sind in Deutschland nach wie vor sehr häufig, da es über Jahrzehnte nicht gelungen ist, den hier herrschenden Iodmangel durch rechtliche Vorgaben vollständig auszugleichen. Die aktuelle Iodversorgung der Bevölkerung ist derzeit äußerst heterogen, einerseits besteht ein Ioddefizit, andererseits aber führt die Eigeninitiative der Bevölkerung zu einer Überversorgung mit Iod. Eine bundesweite Ultraschall-Screening-Untersuchung (Schilddrüsen-Initiative Papillon I der Firma Henning/Sanofi-Synthelabo) hat gezeigt, dass Strumen und/oder Schilddrüsenknoten etwa bei jedem 3. Menschen, der als schilddrüsengesund gilt, gefunden werden. Im jüngeren Alter ist etwa jeder Fünfte, im höheren Alter etwa jeder Zweite betroffen. Abhängig von der Knotengröße müssen Schilddrüsenknoten weiter abgeklärt werden, um ein Schilddrüsenkarzinom nicht zu übersehen. Neben den etablierten Verfahren der Szintigraphie und der Feinnadelpunktion steht die Bestimmung des Calcitonins bei Schilddrüsenknoten zur Diskussion.
Während in der offiziellen Todesursachenstatistik Schilddrüsenerkrankungen nahezu nicht auftauchen, und heute nur noch wenige Menschen unmittelbar an einer Schilddrüsenerkrankung sterben, führen jedoch latente Schilddrüsenfunktionsstörungen zu Beeinträchtigungen der Befindlichkeit und Lebensqualität (Unruhe, Reizbarkeit, Gefühlsschwankungen, Depression, Libido- und Potenzstörungen) und darüber hinaus zu Folgeerkrankungen, z.B. Arteriosklerose, Herzrhythmusstörungen, Osteoporose sowie zu Sterilität oder Fehlgeburten. Hiermit sind erhebliche Kosten im Gesundheitswesen verbunden. Erste Ergebnisse der Schilddrüsen-Initiative Papillon II zeigen, dass die Rate bislang unentdeckter latenter oder manifester Schilddrüsenfunktionsstörungen bei 10 % liegt. Bei Befindlichkeitsstörungen, unerfülltem Kinderwunsch und bei allen älteren Menschen muss routinemäßig durch einfache Labordiagnostik eine Schilddrüsenfunktionsstörung ausgeschlossen werden. Die latente Schilddrüsenfunktionsstörung wird heute von allen Fachdisziplinen als behandlungsbedürftig angesehen. Zudem zeichnet sich in der Bewertung des hoch-normalen TSH-Spiegels in Verbindung mit erhöhten Schilddrüsenantikörpern ein Wandel ab.
Mit unverwechselbarer Präzision und Einsatz haben erneut die Mitarbeiter der Firma Henning Berlin die Planung und Durchführung der Veranstaltung mitgetragen, um ein umfangreiches praxisrelevantes und zugleich wissenschaftlich fundiertes Programm umzusetzen. Ohne die großzügige Unterstützung der Firma Sanofi-Synthelabo/Henning Berlin wäre die Realisierung einer solchen Veranstaltung nicht möglich gewesen. Allen Beteiligten, Organisatoren, Referenten und Diskutanten sei für das Gelingen der in Deutschland größten Schilddrüsenkonferenz herzlich gedankt.
Die gute Zusammenarbeit mit den Autoren und mit dem Verlag Walter de Gruyter in Berlin ermöglichte es, dass der Buchband über die 16. Konferenz über die menschliche Schilddrüse frühzeitig erscheinen konnte. Für die großzügige Unterstützung bei der Drucklegung danken wir der Firma Sanofi-Synthelabo/Henning Berlin.
M. Dietlein, Köln
H. Schicha, Köln