Nuklearmedizin


Vorwort zur 6. Auflage

Die Nuklearmedizin ist als eigenständiges Fachgebiet in Deutschland mittlerweile seit 30 bis 35 Jahren eingeführt, gemessen an der ersten Errichtung von Lehrstühlen an Universitäten oder der Einführung eines eigenen Facharztes für Nuklearmedizin. Mehr oder weniger sind nuklearmedizinische Verfahren aber schon in der klinischen diagnostischen und therapeutischen Routine seit etwa einem halben Jahrhundert etabliert. Historisch ergab sich die Diskussion, ob die Nuklearmedizin der Inneren Medizin und Pathophysiologie näher steht als der Diagnostischen Radiologie oder der Strahlentherapie. Durch die Einführung eines eigenen Facharztes für Nuklearmedizin hat sich diese Diskussion erledigt.
Inzwischen haben sich die verschiedenen „Strahlenfächer" in der Medizin zu Recht aufgeteilt in Diagnostische Radiologie (inkl. Interventionelle Radiologie), Strahlentherapie und Radioonkologie sowie Nuklearmedizin, letztere mit präklinischen und klinischen Aufgaben sowohl in Diagnostik als auch Therapie. Leider werden aus ökonomischen und politischen Gründen die grundlegenden Strahlenfächer Strahlenbiologie und Strahlenphysik derzeit zunehmend in den Hintergrund gedrängt, ja liquidiert. Unter dieser Entakademisierung leiden insbesondere die Forschung und der Strahlenschutz, unabhängig von den vorhandenen hierfür zuständigen staatlichen Institutionen.
In Zeiten knapper Kassen ist mittlerweile zwischen den verschiedener Fächern auch ein „Kampf“ entbrannt, wer was leisten soll. Insbesondere versuchen „größere“ Fächer immer wieder „kleinere“ Fächer zu vereinnahmen. Oft stehen hierbei zusätzlich fachpolitische Interessen im Vordergrund.
Diese kurzsichtige Betrachtungsweise wird der zunehmenden Komplexität der Verfahren und Fächer in allen medizinischen (vorklinischen, klinisch-theoretischen und klinischen) Fächern und so auch in den „Strahlenfächern" nicht gerecht und gefährdet die Forschung, den Fortschritt in der Krankenversorgung und im Falle der „Strahlenfächer“ auch die Kooperation dieser Fächer. Dies gilt in besonderer Weise für den Strahlenschutz der Patienten und der allgemeinen Bevölkerung. Denn der beste Strahlenschutz ist stets die hohe fachliche Kompetenz der fachkundigen Ärzte und deren Kooperation.
Neuerdings ergibt sich ein zunehmender Zwang zur und Chancen durch die Kooperation. Die Molekulare Bildgebung und Therapie, schon immer Prinzip der Nuklearmedizin, führt die Fächer näher aneinander, PET, MRT und Vielzeilen-Spiral-CT haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht und sind aus der Krankenversorgung und Forschung nicht mehr wegzudenken.
In den letzten 3 Jahren wurde zudem die PET-CT etabliert, ein Gerät, das die Möglichkeiten von PET und CT in einem Gerät und damit die Untersuchung in einem Untersuchungsgang vereinigt. PET-MRT steht vor der Markteinführung. Mit PET-CT wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte in der Diagnostik, im Staging und in der Verlaufskontrolle und Therapieevaluation vornehmlich in der Onkologie erzielt. Darauf kann heute nicht mehr verzichtet werden. Durch eine frühe Weichenstellung bei der auch heute noch unbefriedigenden Therapie in manchen Bereichen der Onkologie können hiermit unnötige und den Patienten belastende Therapien und damit letztendlich auch Geld eingespart werden.
Voraussetzung ist allerdings die Einsicht der Gesundheitspolitiker und Gesundheitsfunktionäre, das im System vorhandene Geld auf das Wesentliche und Begründbare zu konzentrieren. Die Umsetzung der evidenzbasierten Medizin ist gefragt. Voraussetzung ist weiterhin die vertrauensvolle und faire Kooperation aller beteiligten Fächer zum Fortschritt der Medizin und damit zum Wohle des Patienten. In diesem Fall wird es möglich sein, sowohl molekulare als auch morphologische Bildgebung höchster Qualität zum Nutzen des Kranken und zum Fortschritt in der Forschung optimal und kosteneffektiv einzusetzen.
In der vorliegenden 6. Auflage wurden alle Kapitel überarbeitet und auf neuesten Stand gebracht. Wir hoffen, dass dieses kompakte Buch der Nuklearmedizin auch weiterhin dem bisherigen Nutzerkreis eine Hilfe sein wird: Studenten, medizinisch-technischen Radiologieassistentinnen (MTRAs), Naturwissenschaftlern, Ärzten anderer Fachgebiete und auch Ärzten in der Weiterbildung.

Köln und Münster, im April 2007
Harald Schicha und Otmar Schober

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