Radioaktives Iod (I-131) wird in der Schilddrüse angereichert.
Nach Einnahme einer Kapsel (keine Bestrahlung von aussen) ist so eine nebenwirkungsarme Behandlung der Schilddrüse möglich. Strahlenschäden an der Haut und in benachbarten Organen, wie bei der externen Strahlentherapie, treten nicht auf.
Gutartige Schilddrüsenerkrankungen, die erfolgreich und nebenwirkungsarm mit Radioiod behandelt werden können, sind:
- Basedow-Krankheit
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bei "heißen Knoten"
(unifokale, multivokale oder disseminierte Autonomie)
- Latente Hyperthyreose bei Autonomie
- Rezidivstruma (Neuauftreten einer Schilddrüsenvergrößerung nach Operation)
- Großvolumige Struma
Durch die Radioiodtherapie sollen eine Operation und eine Narkose vermieden werden. Eine Schädigung des Stimmbandnervs (Nervus recurrens) oder der Nebenschilddrüsen ist durch die Radioiodtherapie nicht zu befürchten. Die Strahlenexposition außerhalb der Schilddrüse ist gering. Spätfolgen wie Krebs oder Leukänie kommen nicht vor, auch eine Schwangerschaft ist 6 Monate nach Radioiodtherapie ohne Risiko möglich.
Aus Strahlenschutzgründen ist ein stationärer Aufenthalt sinnvoll und in Deutschland auch gesetzlich vorgeschrieben, dieser beträgt durchschnittlich 5 Tage (3-12 Tage). Die Radioiodtherapie wirkt im Gegensatz zur Operation nicht schlagartig, sondern es dauert etwa 3 Monate, bis die Wirkung allmählich eintritt.
Die Verantwortung für die Indikationsstellung sowie die richtige Vorbereitung und Durchführung der Radioiodtherapie einschließlich der richtigen lebenslangen Nachsorge liegen beim Therapeuten, also bei uns. 2 Wochen vor der stationären Aufnahme ist ein ambulanter Radioiodtest zur Dosisbestimmung erforderlich.
Sie schlucken in der Regel nur einmal eine Kapsel mit I-131. Anschließend wird die in ihrer Schilddrüse befindliche Radioaktivität zweimal täglich gemessen. Hieraus errechnen sich die Schilddrüsenherddosis und das voraussichtliche Entlassungsdatum. Selten müssen Sie nach 2-3 Tagen eine weitere Therapiekapsel schlucken, der stationäre Aufenthalt verlängert sich hierdurch nicht oder nur um 1-2 Tage. Sie merken von der Radioiodtherapie normalerweise nichts. Selten kommt es zu einer vorübergehenden Anschwellung der Schilddrüse, die ungefährlich ist.
Während der Radioiodtherapie sind Sie natürlich nicht bettlägerig. Sie müssen jedoch in den ersten 24 Stunden im Zimmer bleiben. Anschließend stehen Ihnen die Einrichtungen im Kontrollbereich der Bettenstation zur Verfügung.
Sie haben also Möglichkeit, sich den stationären Aufenthalt von wenigen Tagen so angenehm wie möglich zu gestalten:
1. Alle Zimmer, 1-Bett- oder 2-Bett-Zimmer, verfügen über eine eigene Nasszelle mit WC und Dusche.
2. Sie dürfen alles, was Sie möchten, mitbringen und auch wieder mitnehmen.
(z.B. Bücher, eigene Handtücher, Laptop, persönliche Gegenstände usw.)
3. In allen Zimmern haben wir Fernseher (Kabel), Radio und Telefon (gebührenpflichtig).
Handys dürfen nicht in den Zimmern, jedoch auf dem Dachgarten benutzt werden.
4. Im Kontrollbereich der Station ergeben sich folgende Betätigungsmöglichkeiten:
- Großer Dachgarten zum Spazierengehen, im Sommer mit Liegestühlen und Sonnenschutz
- Spielezimmer mit verschiedenen Gesellschaftsspielen, Schachspiel auf dem Dachgarten.
- Kleine Bibliothek mit Romanen und Sachbüchern. Musikzimmer mit Klavier.
- Fitnessraum mit Fahrradergometer, Steppern, Rudergerät, Kraftmaschine.
- Gemäldegalerie mit Original-Gemälden des Künstlers Karl-Josef Berger.
- Skulpturen der Künstler Ansger Nierhof ("Der romantische Blick"), Roland Köhler ("Ein Weg") und Rosali Schweizer ("Indische Feige") auf dem Dachgarten.
- Für je 2 Zimmer täglich eine aktuelle Kölner Tageszeitung
- Auf Nachfrage ist ein Internetanschluss meist möglich.
- Raucher: In der gesamten Klinik einschließlich Patientenzimmern herrscht Rauchverbot. Auf dem Dachgarten (nach 24 Stunden Aufenthalt im Zimmer) ist aber Rauchen möglich.
Nach Erreichen eines gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes und einer ausreichenden Dosimetrie werden Sie entlassen. Sie werden dann darüber unterrichtet, ob und welche Beschränkungen aus Strahlenschutzgründen für Sie dann noch zutreffen: z.B. noch einige Tage lang Abstand halten von Kleinkindern und Schwangeren. Berufliche Einschränkungen nach Entlassung ergeben sich nur für Kindergärtnerinnen für etwa 1 Woche, nicht für Lehrer/innen.
Nach Radioiodtherapie von Schilddrüsenerkrankungen ist eine lebenslange Nachsorge erforderlich wie nach Schilddrüsenoperation. Die Nachsorgeuntersuchungen können teilweise vom Hausarzt oder vom niedergelassenen Facharzt vorgenommen werden, teilweise sollten sie bei uns erfolgen.
Eine Schilddrüsenunterfunktion, die nach Operation und nach Radioiodtherapie auftreten kann, kann durch Schilddrüsenhormonsubstitution nebenwirkungsfrei ausgeglichen werden.
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