Leiter: Prof. Dr. med. B. Roth
Intensivmedizinische Betreuung von Risiko-, Früh- und Neugeborenen
Sekretariat:
Anette Pögerl, Tel. +49 221 478-5064, Fax +49 221 478-3618
E-Mail: bernhard.roth@uk-koeln.de, anette.poegerl@uk-koeln.de
Aktuell:
"Frühgeburten: Sanfte Therapien für die allzu Kleinen" auf http://www.faz.net
Der Bereich Neonatologie am Uni-Klinikum Köln umfasst die Versorgung von Hochrisikofrühgeborenen und reifen Neugeborenen mit lebensbedrohlichen angeborenen und erworbenen Erkrankungen in Zusammenarbeit mit Pränataldiagnostik, Geburtshilfe, Humangenetik, Kinderkardiologie, Kinderradiologie, Kindernephrologie/ -onkologie/ -neurologie/ -orthopädie, Anästhesie, Neurochirurgie, MKG, Herz-/Thoraxchirurgie, Urologie, allg. Chirurgie, Augenheilkunde, HNO-Heilkunde und stellt ein Perinatal-Zentrum Level I dar.
Die neonatologische Intensivstation weist in Verbindung mit den Bereichen Geburtshilfe und Pränataldiagnostik alle erforderlichen Kriterien für ein Level-I-Zentrum in der Neonatologie auf.
Im Bereich Neonatologie der Universitätskinderklinik werden jährlich etwa 600 Frühgeborene und kranke Neugeborene mit Krankheitsbildern aus dem gesamten Spektrum der Neugeborenenmedizin behandelt, davon etwa 100 Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1500g (Very low birth weight, VLBW infants). Die Stationen verfügen über eine personelle und apparative Ausstattung, die den Einsatz aller modernen Therapieverfahren ermöglicht. Dazu gehören neben der herkömmlichen Beatmung auch die Hochfrequenzoszillationsbeatmung (HFOV) und die Beatmung mit inhalativem Stickstoffmonoxid (iNO). Gerade für kranke Neugeborene mit angeborenen Lungenerkrankungen, Herzerkrankungen und Infektionen kann der Einsatz dieser Verfahren lebensrettend sein.
Im Jahr 2006 wurden zum Beispiel 110 Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht < 1500 g versorgt, womit wir eines der Zentren sind, das die höchste Anzahl dieser Kinder in Deutschland versorgt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Versorgung von Neugeborenen mit Geburtsgewichten < 1000 g. Die Nachsorge erfolgt über das Sozialpädiatrische Zentrum.
Frühgeborene sind häufig bei Geburt nicht im eigentlichen Sinne krank, sie sind allerdings durch die zu frühe Geburt gezwungen, sich an eine Umgebung anzupassen, für die sie noch nicht geschaffen sind.
Zwar ist einerseits unbestreitbar, dass medizinischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte es ermöglichen, einen Teil der Funktionen des Mutterleibes soweit zu ersetzen, dass auch sehr kleine Frühgeborene überleben können, jedoch ist mittlerweile auch klar, dass es durch den Einsatz intensivmedizinischer Maßnahmen, zu Schäden an den sehr empfindlichen, unreifen Organen kommen kann.
Außerdem kann keine intensivmedizinische Maßnahme die menschliche Nähe ersetzen, die das Kind im Mutterleib in der Symbiose mit der Mutter erfährt. Es ist daher Ziel der modernen Neonatologie Intensivmedizin so viel wie nötig, aber so wenig und so behutsam wie möglich einzusetzen, um gleichzeitig die Möglichkeit für einen möglichst intensiven Kontakt mit den Eltern zu schaffen, der für eine ungestörte Entwicklung des Kindes von essentieller Bedeutung ist.
Wir fühlen uns in unserer Klinik einer derartigen entwicklungsfördernden Betreuung der Frühgeborenen verpflichtet.
Im Rahmen der allgemeinen Unreife der sehr kleinen Frühgeborenen stellt die Unreife der Lunge ein besonders gravierendes Problem dar, da einerseits die unzureichende Funktion der Lunge eine akute und unmittelbare Lebensbedrohung bedeutet, andererseits aber auch die deswegen häufig notwendige maschinelle Beatmung die sehr empfindlichen Lungen schädigen kann. Zudem werden durch die maschinelle Beatmung häufig weitere Maßnahmen, wie z.B. Blutentnahmen od. medikamentöse Begleittherapien erforderlich, die die Kinder belasten und die Möglichkeit des Eltern- Kind- Kontaktes einschränken.
Unser Ziel ist es daher, Strategien zu entwickeln, die eine maschinelle Beatmung bei sehr kleinen Frühgeborenen überflüssig machen. Dabei kommt der engen Zusammenarbeit mit den Geburtshelfern und Narkoseärzten eine große Bedeutung zu, durch die es gelingt, die Kinder bei drohender Frühgeburt bereits im Mutterleib durch eine einmalige Cortisongabe auf die notwendige Lungenatmung nach der Geburt vorzubereiten und sie während der Geburt so zu begleiten, dass es nach der Geburt zum Einsetzen einer eigenen Atemtätigkeit kommt.
Sehr kleine Frühgeborene, die selbständig atmen, haben aber häufig dennoch Probleme durch die Lungenunreife, da ihnen in der Lunge ein Stoff fehlt, der verhindert, dass die Lungenbläschen am Ende der Ausatmung zusammenfallen, der so genannte Surfactant. In diesen Fällen kann man den Kindern häufig durch eine Atemunterstützung helfen, bei der über eine Nasenmaske ein kontinuierlicher positiver Druck appliziert wird, gegen den die Kinder ausatmen. Dadurch werden die Lungenbläschen am Ende der Ausatmung offen gehalten. Dieses Verfahren nennt man CPAP (continuous positive airway pressure). Es ermöglicht zwar bei vielen Kindern die Vermeidung von Beatmung und bekämpft die Auswirkungen des Surfactantmangels, beseitigt ihn aber nicht.
Surfactant ist jedoch seit über 20 Jahren als Medikament verfügbar und kann bei beatmeten Kindern über den Beatmungsschlauch direkt in die Luftröhre gegeben werden und damit ursächlich den Surfactantmangel beseitigen. Diese Therapie wurde Kindern mit CPAP- Atemunterstützung lange vorenthalten.
Wir haben im Jahre 2002 an unserer Klinik ein Verfahren entwickelt, Surfactant unter CPAP- Therapie über eine dünne Sonde von etwa 2 mm Durchmesser in die Luftröhre zu geben. Durch diese Verfahren wurde es möglich, den Vorteil der Beatmungsvermeidung durch die CPAP- Therapie mit dem Vorteil der Surfactanttherapie zu verbinden. An unserer Klinik führte die Einführung des Verfahrens sogar bei den kleinsten Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1000 g zu einer Senkung der Beatmungshäufigkeit von 77 auf 48%, gleichzeitig sank die Sterblichkeit und die Rate von Hirnblutungen.
Das Verfahren wurde mittlerweile von einer Reihe deutscher Kliniken übernommen und wird z.Zt. in zwei großen klinischen Studien hinsichtlich seiner allgemeinen Anwendbarkeit untersucht.
Kribs A et al. Early administration of surfactant in spontaneous breathing with nCPAP: feasibility and outcome in extremely premature infants (postmenstrual age =27 weeks). Paediatr Anaesth. 2007;17:364-369.
Kribs A et al. Early surfactant in spontaneously breathing with nCPAP in ELBW infants--a single centre four year experience.Acta Paediatr. 2008;97(3):293-298.
Intensivmedizinische Versorgung von Patienten mit schwerem Lungenversagen
iNO-Beatmung, Hochfrequenzoszillationsbeatmung (HFOV)
Neurologische Intensivmedizin
Hypothermie-Behandlung, invasive Hirndruckmessung, Nahinfrarotspektroskopie
Organersatztherapie
Bei Multiorganversagen bei Neugeborenen und Kindern höherer Alterstufen (Klein-/Schulkindalter), einschließlich Nierenersatztherapie, Neugeborenen-Notarzt (24-Stunden-Bereitschaft)
Betreuung von Eltern intensivmedizinisch behandelter Kinder
Entwicklungsfördernde Pflege bei Frühgeborenen
Schweres Lungenversagen bei Neugeborenen, Multiorganversagen
Unter anderem mit Nierenersatztherapie
Qualitätssicherungsmaßnahmen
- Neonatalerhebung Nordrhein
- NeoKiss Erhebung bundesweit (Surveillance System nosokomialer Infektionen für Frühgeborene auf Intensivstationen)
- Regelmäßige regionale Todesfallkonferenz
Ernährungsberatung für Mütter
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