Beschäftigte im Gesundheitsdienst sind bei Kontakt mit Tuberkulose-Patienten gefährdet, sich selbst zu infizieren. Infektiösen Patienten sieht man ihre Erkrankung oft nicht an, wodurch die Übertragungsgefahr erhöht ist. Patienten, deren Lungentuberkulose "offen" ist, können durch direktes Anhusten andere Personen infizieren. Da die Ansteckung genau wie die Erkrankung oft nicht sofort bemerkt wird, wird bei den regelmäßig durchgeführten arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen auch auf Tuberkulose untersucht (ggf. bei Indikation durch Tuberkulin-testungen oder - bei positivem Tuberkulintest – durch den Quantiferontest und/oder Röntgen-aufnahmen der Lunge).
Wann besteht ein Übertragungsrisiko?
Bei der Pflege eines Patienten, von dem bekannt ist, dass er eine "offene Tuberkulose" hat, trifft man im Vorhinein Vorsichtsmaßnahmen, um eine Verbreitung der Erkrankung zu vermeiden.
Wird jedoch erst nachträglich bekannt, dass ein Patient eine "offene Tbc" hat, kann es bereits zu einer Ansteckung beim Personal oder Mitpatienten gekommen sein. Das Risiko einer Ansteckung ist zwar gering, jedoch sollten Untersuchungen durchgeführt werden, um Infektionen früh zu erkennen bzw. auszuschließen. Diese Untersuchung kann für Sie auch im Hinblick auf die Anerkennung einer späteren Tuberkulose als Berufskrankheit Bedeutung haben. Sie wird durch den Betriebsärztlichen Dienst oder das Gesundheitsamt durchgeführt.
Untersucht wird Personal, das im Raum des Patienten zur Zeit der unerkannten offenen Tuberkulose gearbeitet hat und engen Kontakt zum Patienten hatte:
Bei Tuberkulin-positivem Personal wird sofort nach Kontakt eine Blutuntersuchung mit dem Quantiferontest durchgeführt. 3 bis 4 Monate danach erfolgt ein zweiter Quantiferontest und /oder eine Röntgenaufnahme der Lunge.
Bei Tuberkulin-negativem Personal wird folgendermaßen vorgegangen:
1. Es muss so bald wie möglich (bis höchstens vier Wochen nach Kontakt) ein Tuberkulintest durchgeführt werden, der den Tuberkulinstatus vor Kontakt mit dem Patienten anzeigt. Dies dient der rechtlichen Absicherung des Personals im Falle einer späteren Konversion.
2. Ein zweiter Tuberkulintest frühestens 3 bis 4 Monate nach Kontakt zeigt den Tuberkulinstatus nach Kontakt mit dem Patienten an.
Ist der zweite Tuberkulintest positiv ist eine Konversion eingetreten und es folgt ein Quantiferontest. Ist dieser auch positiv, muss dementsprechend eine Röntgenaufnahme der Lunge angefertigt werden, um eine Tuberkulose auszuschließen.
Liste aller Kontaktpersonen
Bitte tragen Sie alle Kontaktpersonen in eine Liste ein (Muster beim Betriebsärztlichen Dienst anfordern oder im Intranet hier downloaden) und lassen Sie diese so bald wie möglich dem Betriebsärztlichen Dienst zukommen.
Der Tuberkulin-Teststatus der Kontaktpersonen wird durch den Betriebsärztlichen Dienst überprüft und anschließend werden die betroffenen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu den durchzuführenden Untersuchungen schriftlich eingeladen.
Was bedeutet ein positiver Tuberkulintest?
Fällt der Tuberkulintest (TT) positiv aus, hatte die betreffende Person bereits Kontakt mit Tuberkulose. Im Alter von 30 Jahren ist dies bei knapp 30 % der Bevölkerung in Deutschland der Fall. Ein positiver TT ist nicht gleichzusetzen mit einer Tuberkulose-Erkrankung, jedoch kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass es (oft nach vielen Jahrzehnten) zu einer Tuberkulose-erkrankung kommen kann. Bei Mitarbeitern, die einen positiven Tuberkulintest und entsprechende Symptome haben (Husten, Abgeschlagenheit, subfebrile Temperaturen) oder nach Kontakt mit Tbc-Patienten ist eine Röntgenaufnahme zu empfehlen.
Was ist eine Tuberkulintest-Konversion?
Wenn sich herausstellt, dass jemand, der bisher TT-negativ war, TT-positiv wird, bezeichnet man dies als TT-Konversion. Man muss bei ihm davon ausgehen, dass der Betreffende Kontakt mit einer Person (meist Patient) mit einer offenen Tuberkulose gehabt hat. In seltenen Fällen kommt es nach diesem Kontakt zur Tuberkulose-Erkrankung. Eine Meldung an die gesetzliche Unfallversicherung wird vorsorglich erfolgen.
Die Tuberkulose-Impfung (BCG-Impfung)
Die "BCG-Impfung" wird in Deutschland nicht mehr empfohlen. Es ist erwiesen, dass diese Impfung eine Infektion bei Erwachsenen nicht verhindern kann. 5 bis 15 Jahre nach der Impfung bleibt der Tuberkulintest oftmals positiv.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an den Betriebsärztlichen Dienst.
Stand: Oktober 2010
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